Ben Isselstein

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Meine fotografische Karriere begann wohl mit einer jugendlichen Enttäuschung: Obwohl ich mehr als passabel Zeichnen konnte, reichte mir meine Fähigkeit, Dinge nach der Natur aufs Papier zu bringen, nicht aus. Das schien die Fotografie so viel einfacher und besser zu können und ich gab meine phantastische Zeichnerei auf. Das Leben goss noch Wasser auf diese Mühle, indem ich der Einzige war, der die familieneigene Kamera zu bedienen verstand und ich daher dazu genötigt wurde. Ich war damals 13, die Kamera war eine AGFA Silette LK Sensor und die Fotografie hatte mich am Haken.

Jahre später - ich hatte inzwischen einige Semester Photoingenieurwesen studiert und befand mich mitten im Studium des Komminikationsdesigns - sprang mich mit aller Gewalt die Erkenntnis an, dass es in der bildmäßigen Fotografie keineswegs darum geht, irgendetwas realistisch darzustellen. Die journalistische Fotografie vielleicht trug noch dieses verblassende Banner vor sich her, aber die künstlerische Fotografie, oder gar die Werbung hatten dieses Ansinnen nie gehegt.

Es geht darum, das Motiv zu klären und zu verdichten. Einerlei mit welchen Mitteln. Die fotorealistische Wiedergabe ist dabei eher eine inherente Legitimation als ein ästhetisches Ziel, denn: "Wenn es ein Foto ist, ist es wahr und wir können es zeigen."

Nach wie vor ist es jedoch so, dass mich das phantastische Bild fasziniert. Nicht das gefundene oder das provozierte, sondern das erdachte und komponierte, besonders dabei die Spannung zwischen Realismus und stilistischer Überhöhung.

Meine Landschaftsaufnahmen betrachten das gleiche Phänomen, nur aus der entgegengesetzten Richtung. Sie zeigen Natur, meinen aber die Strukturen der menschlichen Wahrnehmung.