Erfahrungsbericht über einen Stativ-Test für die Marke Induro.

Es gibt Menschen, die manche Motive als glücklichen Zufall missverstehen. Im Gegenteil ist es das Glück des Beständigen, der immer und immer wieder unterwegs ist, bis der Augenblick passt.

Im Grunde war dieses Stativ solch ein glücklicher Zufall.

Ich holte gerade einiges Rentequipment bei meinem Verleih in Düsseldorf ab und machte noch eine kleine Runde durch die Ausstellung. Da standen zwei Kamerastative, die ich noch nie gesehen hatte: beide aus Aluminium, eines etwas größer als das andere.

Ich hatte mir in der letzten Zeit einige Stative angesehen und probiert, denn ich brauchte ein weiteres, mittelgroßes und leichtes. Ich hatte mir Kamerastative mit Muffen angeschaut und mit Klemmen, mit Neigern und mit Kugelköpfen, aber dieses Stativgefühl war neu: griffig, leicht, sehr stabil und schnell in der Handhabung. Dabei war es ganz einfach gebaut. Was mich aber am meisten beeindruckte, war die ungeheure Qualität des Kugelkopfes.

Test eines Kamerastativs der Marke Induro. Kippen ins Hochformat.

Hochformate erfordern mit dem BHL2 etwas mehr Sorgfalt – die Ausfräsung zum Kippen ist sehr knapp, das Stativ muss von vorneherein gerade/passend stehen.

Der Kugelkopf lief sanft und völlig ohne Ruckeln, hatte einen langen, weichen Klemmweg, verzog nicht beim Feststellen und schien endlos stabil. Die beiden Stative waren von der Marke INDURO.

Einen Monat später musste ich für ein Projekt in die Alpen, Backplates für eine Strecke von Composingmotiven eines Kettenfahrzeugs und zusätzlich ein paar Landschaftsschüsse für mein Archiv fotografieren. Alles zu Fuß und mit dem Rucksack. Ich nutzte die Gelegenheit und lieh mir dazu ein INDURO CT313 [C steht für Carbon] mit einem DM23 Kugelkopf, einem Vorläufer der BHD-Serie.

Sonnenaufgang auf dem Osterfeldkopf auf 1.800 m war um viertel nach fünf. Der Himmel war sternenklar und die Sonne erhob sich golden über einem pastellblauen Bergpanorama.

Erfahrungsbericht über ein  Induro-Stativ.

Der Gewichtsunterschied von einem CT313 zu einem gleich großen INDURO-Alustativ beträgt etwa 600 g. Manchmal kann diese Differenz der Kraftreserve entsprechen, die man für noch eine zusätzliche Einstellung hat, weil man eben noch nicht völlig fertig ist vom Schleppen. Das Backplate für dieses Motiv war ein solcher Fall.

Einen Tag später auf dem Timmelsjoch fiel der Sonnenaufgang aus. Es war 6° C kalt, ein schneidender Wind, der die Temperatur auf 1° drückte, jagte dunkelgraue Regenwolken über den Pass. Gegen acht hörte der eisige Regen auf und ich machte mich auf den Weg. Inzwischen riss hin und wieder die Wolkendecke auf, Sonnenflecken schienen auf, eilten über die Berghänge und verschwanden wie sie gekommen waren immer knapp an mir und meiner Einstellung vorbei. Wie um mich zum Besten zu halten, während ich wartete und fror.

Im Gegensatz zu mir hatte das Stativ nicht die geringsten Probleme mit der Kälte. Das Carbon war angenehm anzufassen, die Beinmuffen hatten einen kurzen, sicheren Klemmweg, es gab kein Hakeln, kein Durchrutschen. Der Kugelkopf lief weich und sicher wie zuvor.

Die Sache war entschieden.

Zwei Wochen später wurde ich etwas übermütig mit meinem eigenen neuen INDURO CT313 mit dem BHL2. Ich fotografierte 2 Tage lang auf einer Baumaschinen-Präsentation mit meiner Canon 5D Mk III und der PhaseOne mit dem IQ180-Rückteil. Mit der Canon schoss ich aus der Hand, mit der PhaseOne vom Stativ. Weil die Maschinen bei der Arbeit gezeigt wurden, konnte ich nur versuchen, diese bei zufälligen kurzen Stopps zu erwischen – ich war ja bei 80 Megapixeln auf unbedingte Schärfe angewiesen – ich musste also schnell sein.

Im Equipment-Test: ein Stativ der Marke Induro.

Wegen des böigen Windes habe ich den Kamerarucksack an den Gewichtshaken gehängt und bei dieser Gelegenheit einen kleinen Test gemacht: Die Beinlängen waren am Berg etwa 150/160/200 cm, die Mittelsäule +10 cm, das Rucksackrestgewicht betrug etwa 9 kg, die Aufnahme gemacht habe ich mit der 5D Mk III mit dem 85 mm/1.2 L II – beide Belichtungen mit und ohne Rucksack waren pixelpassgenau!

Die Detailvorschau auf dem PO-Display während des Photo Shoots sah schon gut aus, abends auf dem Laptop war dann klar, dass mein neues Stativ auch mit 80 Megapixeln und ohne Spiegelvorauslösung nicht das geringste Problem hat, auch nicht bei großen Beinauszügen.

Einen Nachteil hat der Stativkopf BHL2 jedoch tatsächlich: Die seitliche Aussparung, die erlaubt, die Kamera ins Hochformat zu kippen, fällt sehr knapp aus. Wenn das Stativ also nicht ziemlich exakt gerade, sondern nur leicht in die entgegengesetzte Richtung geneigt steht, kann es sein, dass man beim Kippen mit der Kamera nicht ganz bis in die Senkrechte kommt. Man muss dann über den Schenkelauszug korrigieren. Das muss man wissen und am besten schon beim Aufbauen beachten. Wasserwaage ist am Teller.

Erfahrungsbericht über ein Kamerastativ von Induro: Carbon ist leichter und verwindungssteifer als Alu.

200 g leichter als ausgewiesen, mit BHL2, allerdings ohne Adapterplatte.

Zwischendurch hatte ich hin und wieder gezweifelt, ob ich nicht bei meiner bisherigen Stativmarke bleiben sollte – ich hatte gute Erfahrungen gemacht, aber auch weniger gute. Meine Vergleiche bedeuteten mir jedoch Anderes.

Darüberhinaus hatte ich gezweifelt, ob es unbedingt ein Carbonstativ und der kompaktere Kugelkopf sein müssten – der Gewichtsunterschied zu einem Stativ aus der Aluminiumreihe mit einem etwas einfacheren Kopf beträgt schließlich nur 600 Gramm. Aber 600 g entsprechen schon dem Gewicht einer kleinen Trinkflasche, oder einem zusätzlichen Objektiv. Dazu ist Carbon, nicht zuletzt wegen des größeren Rohrdurchmessers, noch spürbar verwindungssteifer und schwingungsärmer als Aluminium.

Inzwischen und nach einigen weiteren Einsätzen ist mir sehr klar: Dieses und kein anderes! Das nächste Stativ für’s ganz kleine Gepäck ist auch schon geplant: ein CT114 mit BHL1.

Die INDURO-Stative werden mit Tasche, Schnellwechseladapterplatte, 3/8″ auf 1/4″ Zoll Reduziergewinde, Spikes, Inbusschlüssel und Etui ausgeliefert.

Ich hab’ meins gekauft bei http://mikrosat.de/